26./27. 06. 2010, Märkische Allgemeine Zeitung

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Alles, außer gewöhnlich


St. Johannesberg feierte 111. Geburtstag


ORANIENBURG | Die Behinderteneinrichtung St. Johannesberg sei kein Paradies, sondern eine  alltägliche Welt, erklärte zu deren gestrigen 111. Geburtstag der Werkstattleiter Christoph Lau. Zugleich sei der Johannesberg aber auch ein Gegenentwurf zu einer Welt, in der man ständig zu neuen Zielen rennt oder meint rennen zu müssen. Eben „Alles, außer gewöhnlich", wie es in der Jubiläumsbroschüre heißt.

In den vergangenen Jahren ist die Behinderteneinrichtung stetig gewachsen. So hat die Caritas-Werkstatt heute 370 Beschäftigte mit Behinderungen und 70 Betreuer. Der Wohnheimverbund hat 114 Bewohner (stationär und ambulant) sowie 83 Mitarbeiter. In der Schule kümmern sich 25 Mitarbeiter um die 67 Schüler.

Auch an der Caritas-Werkstatt geht die schwierige wirtschaftliche Lage nicht vorbei. Sie äußert sich in steigenden Preisen, knappen öffentlichen Mitteln und einer wechselhaften Auftragslage.

Gestern war aber Zeit zum Feiern auf dem Gelände an der Berliner Straße. Das Jubiläum wurde mit einem festlichen Gottesdienst eingeleitet. Wohnheim, Werkstatt und Schule stellten sich vor.

„Der St. Johannesberg bietet Menschen mit Behinderung in Oranienburg nun schon seit 111 Jahren sowohl geschützte Wohnungen wie auch die Möglichkeit, sich zu integrieren", so Bürgermeister Laesicke. Er sei froh, eine solche Einrichtung in Oranienburg zu wissen.   ho


Die Geschichte des St. Johannesbergs
  • 1899 Der Orden der Dominikanerinnen am Arenberg erwirbt die Sommervilla in der Berliner Allee 9. 60  Waisenkinder finden hier ein neues Zuhause.
  • 1902 Die Kapelle wird gebaut und eingeweiht.
  • 1926 Vom Nachbargrundstück wird das Josefhaus dazugekauft.
  • 1939 bis 1945 Im Zweiten Weltkrieg dient der St. Johannesberg als Evakuierungslager.
  • 1946 bis 1950 Betreuung tuberkulosekranker Kinder. Das Heim ist mit 160 bis 170 Kindern belegt.
  • 1954 Aufnahme der ersten Kinder mit geistiger Behinderung. Ihre Zahl erhöht sich schnell auf 110.
  • 1980 Erste Kooperation mit regionalen Unternehmen im Rahmen der Arbeitstherapie für die Bewohnerinnen und Bewohner des St Johannesberg.
  • 1986 Die Ordensschwestern der Dominikanerinnen kehren ins Mutterhaus nach Arenberg zurück. Heinz Stehr wird der erste weltliche Leiter im St. Johannesberg.
  • 1991 Die Caritas Familien- und Jugendhilfe GGmbH übernimmt die Rechtsträgerschaft des St Johannesbergs.
  • 1991 Die Werkstatt und die Schule gründen sich. ü 1995 In Schmachtenhagen wird der Valentinenhof eingeweiht.
  • 1998 Der Neubau der Hauptwerkstatt in der Berliner Straße 93 wird eingeweiht. Zur Werkstatt zählen zu diesem Zeitpunkt 140 Beschäftigte.
  • 1998 Im St Johannesberg entstehen für alle elf Wohngruppen neue Häuser.
  • 1999 Die ersten Bewohner ziehen in das ambulant betreute Wohnen.
  • 2004 Die Schule zieht in den modernen Neubau auf dem Gelände des St. Johannesberg um.
  • 2005 Die Werkstatt wird erweitert, die Halle C und der Förderbereich werden eingeweiht. In der Werkstatt arbeiten 280 Beschäftigte.
  • 2006 In der Werkstatt wird der Bereich für seelisch behinderte Menschen entwickelt, der spätere Betriebsteil Faktor C.
  • 2009 Im Gewerbepark Nord eröffnet die Caritas-Werkstatt eine Zweigwerkstatt mit etwa 100 Arbeitsplätzen.